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Wertvolle Perlen der Zeitgeschichte

Das Archiv für Heimatgeschichte:

Aktive engagieren sich ehrenamtlich für den Erhalt von Texten und Bildern aus allen Ortsteilen der Gemeinde –

Standort an der Hollager Straße 125 „ist ideal“ – 

Interessierter Nachwuchs „herzlich willkommen“

„Überhaupt kein Problem. Das haben wir gleich.“ Bei der Frage nach dem Hollager Schützenkönig aus dem Jahr 1978 muss Bernhard Langemeyer nicht lange überlegen. Nach einem gezielten Griff in den von oben bis unten prall gefüllten Aktenschrank blättert er kurz in dem passenden Band und schlägt die Seite mit dem knapp 43 Jahre alten Zeitungsbericht auf: „Hier steht‘s. Das war der Schneidermeister Heinrich Strößner.“

Für das Bürger-Echo ist spätestens nach diesem kleinen Leistungstest klar, dass die Ehrenamtlichen vom Archiv für Heimatgeschichte ihrem Anspruch voll gerecht werden. „Suchen, ordnen, sichern und für die Zukunft bewahren“, ist der Leitspruch der aktuell aus acht Aktiven bestehenden Archivgruppe, die ihr Domizil seit gut einem Jahr in dem ehemaligen „Haus der Ideen“ an der Hollager Straße 125 hat. In den hellen, ebenerdigen Räumlichkeiten nahe des Hollager Zentrums fühlt sich die Gruppe sichtlich wohl: „Wir haben hier genügend Platz für unsere Arbeit. Dank der zentralen Lage sind wir zudem leicht für Interessenten zu erreichen. Das ist ein idealer Standort“, betont der Gruppensprecher Josef Torbecke. 

So komfortabel wie jetzt war es für die Aktiven nicht immer. Vor dem jüngsten Umzug war das Archiv für Heimatgeschichte mal im Keller und auch für einige Zeit direkt unterm Dach verschiedener Einrichtungen untergebracht. Seit seiner Gründung im Jahr 2004 musste das Archiv inklusive seines umfangreichen Text- und Bildmaterials vier Mal umziehen. „Wir hoffen, dass es nun langfristig bei dieser hervorragenden Lösung bleibt“, hoffen auch Heinz Hörnschemeyer und Reinhard Langemeyer. Von dem Vermieter – der Gemeinde Wallenhorst – habe es hier „erfreulicherweise sehr positive Signale gegeben“.   

Die vier an diesem Vormittag anwesenden Aktiven der Archivgruppe haben alle ein gemeinsames Motiv für ihr Engagement. „Wir interessieren uns für Geschichte und fühlen uns unserer Heimat verbunden“. Die Arbeit biete immer wieder neue spannende Erkenntnisse. Eine wichtige Grundlage ist die Sichtung und Einordnung von Zeitungsartikeln, die über etliche Jahrzehnte das gesellschaftliche und politische Leben aller Ortsteile der heutigen Gemeinde Wallenhorst und ihrer Nachbarschaft in Texten und Bildern wiederspiegeln. Einen Ehrenplatz hat natürlich auch das Bürger-Echo, dessen Ausgaben man vom ersten Erscheinungsjahr bis heute komplett und in kontinuierlicher Abfolge bei der Archivgruppe einsehen kann.

Dazu kommen zahlreiche Dokumente und Fundstücke aus Vereinen und Familien, die mitunter Jahrzehntelang unerkannt auf dem Dachboden „geschlummert“ haben. Zu den für die Heimatgeschichte besonders wertvollen Perlen zählt etwa eine umfangreiche Sammlung mit Frontfotos aus dem 1. Weltkrieg, die von einem aus Wallenhorst stammenden Soldaten gemacht worden sind. Die der Archivgruppe zur Verfügung gestellten Aufnahmen sind zum Teil von außerordentlich guter Qualität und zeigen sehr authentisch und eindrucksvoll die Schrecken des Kriegs.

„Das ist nur einer von vielen Zufallsfunden, bei denen die Arbeit für den Erhalt und die Aufbereitung großen Spaß macht“, erklären die Gruppenmitglieder. Weiteres Material ist stets willkommen. Auch ein wenig Staub und Spinnweben störe die Arbeit nicht. Das sei bei alten Dokumenten oft normal, sagt Reinhard Langemeyer mit einem Lächeln: „Wir sind darauf vorbereitet und tragen hier nicht unsere Sonntagskleidung“.

Dass bis heute eine derart umfangreiche Sammlung zusammengekommen ist, sei 2004 bei der Gründung noch nicht absehbar gewesen. Die Archivgruppe habe seinerzeit auch auf Anregung des ehemaligen Bürgermeisters Helmut Lahrmann vor allem aus einem Grund mit der Arbeit begonnen, berichtet Josef Torbecke: „Die zahlreichen Aktivitäten und Initiativen rund um die 1150 Jahr-Feier der Gemeinde sollten möglichst lange für die Nachwelt in Erinnerung gehalten werden.“ 

Was aus dieser Idee geworden ist, kann man immer montags zwischen 9.30 und 12 Uhr bei einem Besuch des Archivs leicht erkennen. Darüber hinaus können auch über die normalen Öffnungszeiten hinaus gehende Termine mit der Gruppe abgestimmt werden. In Zeiten ohne Corona begrüßt die Archiv-Gruppe auch regelmäßig Initiativen und Vereine oder trägt ihr Wissen zu besonderen Aspekten der Wallenhorster Heimatgeschichte bei externen Veranstaltungen vor. 

Nicht zuletzt sind neue Mitglieder herzlich zum Mitmachen willkommen, betont der Sprecher Josef Torbecke: „An Arbeit mangelt es uns nicht. Interessierten Nachwuchs können wir gut gebrauchen“. Interessenten können die Aktiven unter Telefon 05407/3481442 erreichen oder ihre Arbeit einfach direkt vor Ort während der Öffnungszeit am Montagvormittag kennenlernen. (H.)

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