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Eine starke Gemeinschaft für den Klima- und Naturschutz

Waldschutzgenossenschaft Belm-Rulle-Wallenhorst:

313 Besitzer auf rund 2.400 Hektar –

Hohe Schäden durch Borkenkäfer und Hitze  – 

Ertrag löst sich vielerorts in Nichts auf 

„Die Fichte wird derzeit vom Borkenkäfer aufgefressen. Auch anderen Beständen geht es nach zwei zu trockenen Jahren gar nicht gut.“ Bezirksförster Sven Gerling blickt ernst auf die frisch bearbeitete Fläche, auf der nahe des Barenauer Wegs in Rulle gerade mit forstlichem Gerät ein größerer Nadelholzbestand geerntet und für den Transport zum Sägewerk bereit gemacht wird. Mit dem Einschlag solle verhindert werden, dass die käfer- und hitzegeschädigten Bäume vom nächsten Sturm umgeworfen werden und an Wert verlieren. Zugleich werde damit einer weiteren Verbreitung der Käferpopulation entgegengewirkt, erklärt Sven Gerling: „Die befallenen Bäume müssen dafür so schnell wie möglich aus dem Wald entfernt werden.“

Die Population des auch als Buchdrucker bekannten Borkenkäfers ist in den letzten Jahren in Folge des heißen und regenarmen Wetters in die Höhe geschossen. Was die aktuelle Käferplage

anrichtet, kann man auch

in dem Bestand am Barenauer Weg bei einem Blick zwischen Borke und Stamm einer befallenen Fichte erkennen: Die millimeterkleinen bräunlich-schwarzen Tiere haben sich überall festgesetzt. Das Borkeninnere ist durch ihre Fress- und Larvengänge kreuz und quer zerfurcht. Die Larven und Jungkäfer zerstören die für den Baum von der Baumwurzeln bis zu den Nadeln reichenden lebenswichtigen Leitungsbahnen. Bei einem starken Befall wird der Nährstofftransport von der Krone bis in die Wurzel so stark gestört, dass der Baum abstirbt.

„Für diese Bäume gibt es keine Rettung“, sagt Stefanie Warnecke. Was das für die Waldbesitzer bedeutet, verdeutlicht die Geschäftsführerin der knapp 320 Mitglieder starken Waldschutzgenossenschaft Belm-Rulle-Wallenhorst mit einer einfachen Rechnung. Für die Erntearbeiten müsse man mit Kosten von rund zwölf Euro pro Raummeter rechnen. Da der Marktpreis für die etwa durch einen Sturm geschädigten Bäume für einzelne Qualitäten zum Teil niedriger liegt, zahlen viele Waldbesitzer drauf. „40 oder 50 Jahre Pflege sind dann umsonst. Die mit dem Ernteertrag erwartete Rente löst sich schlimmstenfalls in Nichts auf.“

Bei der Frage nach der Stimmung unter den Mitgliedern der Waldgenossenschaft muss die Geschäftsführerin nicht lange nachdenken: „Dass die nicht wirklich gut ist, kann angesichts der aktuellen Situation kaum verwundern.“ Der von der Industrie und dem Handwerk beklagte Holzmangel sorge keineswegs für einen besseren Ertrag für die Erzeuger. Zwar werde derzeit gutes Geld für Bau- und Schnittholz bezahlt. Das Geld komme aber nicht bei den Waldbesitzern an, berichtet der Bezirksförster Sven Gerling: „Von der aktuellen Entwicklung profitieren vor allem die Verarbeitungsbetriebe.“

Die vielerorts schwierige Lage sei für Waldbesitzer kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken oder sogar aufzugeben. Die Bewirtschaftung und Pflege der Flächen sind Aufgaben, die oft von Generation zu Generation weitergegeben werde. Waldbesitzer müssen in langen Zeiträumen verantwortungsvoll planen. In der Regel dauert es Jahrzehnte, bis ein neu angepflanzter Bestand erntereif ist. Bis es so weit ist, muss viel Arbeit in den Wald investiert werden, betonen Sven Gerling und Stefanie Warnecke. In der langen Zeit bis zur Ernte müsse man den Bestand regelmäßig inspizieren und pflegen. Geschädigte oder erkrankte Bäume können bestenfalls mit Eigenmitteln entfernt werden. Bei starken Sturmschäden geht das oft nur mit fremder Hilfe und entsprechend hohen Kosten.

So weit ist es im Bereich der Waldschutzgenossenschaft Belm-Rulle-Wallenhorst zum Glück noch nicht gekommen. Anders als wie etwa im Harz oder im Sauerland halten sich die Sturmschäden hier in Grenzen. Auf der insgesamt gut 2.400 Hektar großen Fläche der privaten Waldbesitzer gibt es einen gesunden Mix von Laub- und Nadelholzbeständen. Ähnlich wie andere Fachleute erwartet Sven Gerling, dass sich der Wald auch in unserer Region in den nächsten Jahrzehnten verändern wird. Die Fichte werde wohl keine Zukunft haben. Dafür erwartet der Bezirksförster einen höheren Anteil des Buchenbestands. Zudem werde man künftig vermutlich vermehrt auf Baumarten setzen, die hierzulande bislang wenig verbreitet waren. Auch die Forstwirtschaft werde sich mit fachgerechten Lösungen an die veränderten Klimabedingungen anpassen. 

Auch Stefanie Warnecke ist überzeugt, dass die Waldbesitzer weiterhin einen wichtigen Beitrag für praktizierten Klima-, Natur- und Umweltschutz leisten werden. „Sie sind sich ihrer Verantwortung bewusst und freuen sich, wenn es ihrem Wald gut geht.“ Für sie und viele andere Menschen gebe es kaum etwas Schöneres, als die Natur bei einem entspannten Spaziergang durch den Wald zu erleben. „Die Waldbesitzer sind eine starke Gemeinschaft. Sie stellen mit ihrer Arbeit sicher, dass dies auch in unserer Region ungehindert möglich ist.“ 

In der Waldschutzgenossenschaft Belm-Rulle-Wallenhorst gibt es nur wenige große Flächen in einer Hand. Die derzeit exakt 313 Mitglieder besitzen durchschnittlich fünf bis zehn Hektar Wald. Es gibt aber auch Mitglieder, die weniger als einen Hektar bewirtschaften. In der Regel handelt es sich um langjährigen Familienbesitz. Wer im Einzugsbereich der Waldschutzgenossenschaft Belm-Rulle-Osnabrück erstmals eine Waldfläche erwirbt, ist zum Beitritt in die Genossenschaft verpflichtet, hat damit aber auch die Möglichkeit, deren Beratungs- und Serviceleistungen in Anspruch zu nehmen. 

Weitere Informationen gibt es bei dem Bezirksförster Sven Gerling oder bei der Geschäftsstelle der Genossenschaft Belm-Rulle-Wallenhorst, die unter Tel. 05402/702515 erreichbar ist. (H.)

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