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„Für uns ist das perfekt“

Der Kleingartenverein Wallenhorst: Freude am Gemüseanbau und die Gemeinschaft stehen im Fokus  –  Kinder sind eine Bereicherung  – Klare Regeln und Geselligkeit

„Wir sind hier mitten im Grünen, können jeden Tag nette Menschen treffen und unser eigenes Gemüse anbauen. Für uns ist das perfekt.“ Bei der Frage, warum er begeisterter Kleingärtner ist, muss Alf Brachmann nicht lange überlegen. Der 50-jährige Wallenhorster ist seit knapp zwei Jahren 1. Vorsitzender des Kleingartenvereins Wallenhorst, der auf zwei an der Hansastraße gelegenen Flächen über insgesamt 33 bewirtschaftete Parzellen verfügt. Beim Treffen mit dem Bürger-Echo im eigenen Kleingarten zeigt sich der 1. Vorsitzende sichtlich gut aufgelegt: „Es wird Frühling und wir können endlich wieder loslegen.“

In den nächsten Tagen und Wochen gilt es für Alf Brachmann und seine Frau zunächst ihren gut 300 Quadratmeter großen Kleingarten von den Spuren der langen Winterzeit zu befreien und fit für die nahende Frühjahrs- und Sommerzeit zu machen. Spaten, Grubber und andere Pflanzwerkzeuge liegen schon griffbereit und warten auf ihren Einsatz. Die Stühle und Tische vor ihrem schmucken Gartenhäuschen sind noch ordentlich gestapelt und warten auf den ersten Einsatz fürs Kaffeetrinken oder Grillen.

In den benachbarten Gärten sind gut hör- und sichtbar vielerorts schon mehrere Hobbygärtner aktiv. Einer von ihnen ist Friedhelm Steinmeyer, der mit seiner Frau im November einen frei gewordenen Garten übernommen hat und dort bereits viele erfüllte Stunden mit Erneuerungs- und Verschönerungsarbeiten verbracht hat. Nach dem Umzug in eine andere Wohnung haben die beiden Wallenhorster seit dem letzten Jahr keinen eigenen Garten mehr: „Für uns ist es ein Glücksfall, dass hier gerade ein Kleingarten frei geworden ist. Wir wurden hier sofort gut aufgenommen und freuen uns auf eine schöne Garten-Zeit.“

Dass ein Kleingarten nicht nur fürs Ausruhen und Entspannen da ist, sondern auch reichlich Arbeit bedeutet, schreckt unter den Garten-Fans niemand. „Bei uns gibt es jetzt viel zu tun“, erklärt der 1. Vorsitzende und verweist auf die noch brach liegenden Beete, in denen leckeres Gemüse gezogen wird. „Wir bauen unter anderem Gurken, Salat und Tomaten an – alles natürlich rein biologisch und ohne schädliche Zusätze.“ Das Gemüse kommt nach der Ernte auf den Tisch und ist richtig lecker, berichtet Alf Brachmann. Am besten schmecken ihm die Kartoffeln aus eigenem Anbau: „Die waren gleich bei der ersten Ernte richtig Klasse.“ Die Erzeugung von eigenem Obst und Gemüse sei ein wesentlicher Bestandteil der Kleingärtnerei.

Abgesehen von der Arbeit rund um den Garten und die zumeist dazu gehörende Hütte steht für Kleingärtner natürlich die Gemeinschaft im Fokus. „Wir sind ein gutes Team und feiern auch gern zusammen“, betont Alf Brachmann. Das Feierabendbier und eine Leckerei vom Grill gehören für ihn an schönen Frühjahrs- und Sommertagen einfach dazu. In Zeiten ohne Corona-Beschränkungen kann auf der gleich neben den Parzellen gelegenen Freifläche des Vereins auch einmal ausgelassen gefeiert werden. Vom Kindergeburtstag bis zum Sommerfest mit Freunden ist hier vieles möglich. „Dabei kann es auch schon Mal etwas später werden“, sagt Alf Brachmann mit einem zufriedenen Lächeln. Entscheidend sei, dass anschließend alles wieder ordentlich hergerichtet und sauber gemacht wird. Das sei für Kleingärtner aber eine Selbstverständlichkeit.     

Wie attraktiv die Kleingärtnerei ist, zeigt auch ein Blick auf den gesunden Altersmix. Die ersten Mitglieder des 1982 gegründeten Vereins haben sich inzwischen zurückgezogen. Viele der Gärten wurden an junge Familien mit Kindern weitergegeben. Fröhliche Kinderstimmen werden auf der gesamten Anlage als Bereicherung und nicht als Störung gesehen. Reichlich Platz zum Spielen und Toben gibt es nicht zuletzt auf den beiden Spielplätzen, die der Kleingartenverein eigens angelegt hat. 

Dessen ungeachtet, gelten auch für die Wallenhorster Vereinsmitglieder und ihre Gäste – ähnlich wie in anderen Kleingartenvereinen – klare Regeln, an die sich alle halten müssen. Neben Ruhezeiten in den Mittagsstunden sowie an Wochenenden und Feiertagen gelten auch Vorgaben für die Nutzung und Pflege des Gartens. Die Gartenhäuser sind zwar größtenteils mit Strom versorgt und laden zum Verweilen ein. Sie dürfen aber nicht als Wohnsitz oder für regelmäßige Übernachtungen genutzt werden. Hunde und Katzen sind als Besucher gern gesehen, sind aber als Dauerbewohner verboten. Im Zweifelsfall muss der 1. Vorsitzende genauer hinschauen und darauf hinweisen, was erlaubt und nicht gern sehen ist, berichtet Alf Brachmann: „Das kommt bei uns aber nur sehr selten vor, weil sich alle an die Regeln halten. Wir sind aber auch nicht besonders streng und möchten, dass alle möglichst gut miteinander auskommen.“     

Um den Nachwuchs muss sich der Verein übrigens keine Sorgen machen. Die Nachfrage ist groß. Im Moment gibt es keinen freien Garten. Eine Warteliste führt der Verein nicht. Über frei werdende Gärten wird auf den Info-Tafeln im Eingangsbereich der Anlage und unter www.Kleingartenverein-Wallenhorst.de auch auf der Internetseite des Vereins informiert. Bei Interesse kann man sich auch an den Vorstand wenden. (H.)


Was den Reiz der Kleingärtnerei ausmacht, wollte das Bürger-Echo aus erster Hand wissen. Der 1. Vorsitzende Alf Brachmann hat auf einige Stichworte wie folgt geantwortet:  

Die Frühjahrs- und Sommerzeit: „... bedeutet für uns erst einmal viel Arbeit. Man kann sich danach aber an den Früchten bei der Ernte erfreuen. Ich persönlich liebe es, im Sommer frische und noch warme Tomaten direkt vom Strauch zu essen. Dafür lasse ich alles andere stehen...“

Schnecken, Kaninchen und Marder: „... damit haben wir kein Problem – auch wenn die Tiere als hungrige Gäste in den Gemüsebeeten bei manchen Kleingärtnern nicht besonders beliebt sind...“ 

Freundschaft und Gemeinschaft: „... ist für uns sehr wichtig und gehört zu einem aktiven Vereinsleben. Wir veranstalten vom Verein aus mindestens einmal im Jahr ein gemeinschaftliches Zusammensein. Während der Corona-Pandemie war das leider nicht möglich...“

Fröhliche Kinderstimmen und Feiern: „... ist bei uns gern gesehen. Dafür ist der Verein da. Wir sind froh, dass wir ein Kleingartenverein sind, dem auch viele Familien mit Kindern angehören. Es darf im eigenen Garten auch einmal zünftig gefeiert werden, wobei man natürlich Rücksicht auf die anderen nehmen muss...“

Schönere Hobbys: „... gibt es für mich derzeit nicht. Für uns ist die Zeit im Kleingarten so etwas wie ein angenehmer Urlaub in der eigenen Gemeinde...“

Kontrollgänge durch den Vorsitzenden: „... müssen ab und an sein, sind aber eher selten und werden vorher angekündigt. Als Vereinsvorsitzender muss ich dafür gerade stehen, dass sich alle an die Regeln halten und wie vorgegeben als Verein agieren...“

Ärgernisse: „... (nach längerem Nachdenken) hier fällt mir spontan nichts ein...“

Das freut mich: „... wenn ich sehe, dass alles mit Leben erfüllt ist und sich die Menschen in ihrem Kleingarten wohl fühlen. Besonders schön ist die Erntezeit – vor allem, wenn das selbst geerntete Gemüse und Obst stolz präsentiert und dem Nachbarn vielleicht auch einmal etwas zum Probieren abgegeben wird...“ (H.)


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