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Kindern aus Elendsvierteln eine Lebenschance geben

In Wallenhorst gegründete IndienHilfe Deutschland e.V. wird bundesweit unterstützt  – Ehrenamtliche Projekte gegen Armut und für eine nachhaltigere Welt im Fokus

Die aus der 2008 gegründeten IndienHilfe Wallenhorst e.V. hervorgegangene IndienHilfe Deutschland e.V. hat seit ihrer Gründung im Jahr 2008 viel für Notleidende Menschen erreicht. Die Liste der Hilfeprojekte reicht vom Brunnenbau für sauberes Wasser bis zum Kauf von Getreidesamen und Ziegenspenden als Hilfe zur Selbsthilfe. 

Ein wichtiger Schwerpunkt der ehrenamtlichen Arbeit ist, Kindern und Jugendlichen einen Zugang zur Bildung zu ermöglichen. Die IndienHilfe Deutschland unterhält unter anderem neun Patenschaften mit Kindergärten und Schulen. Mit finanzieller Unterstützung der Stiftung RTL – Wir helfen Kindern e.V. wurde 2019 in einem Berufsbildungszentrum in Bhopal ein Mädchenwohnheim gebaut. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Hilfsprojekte, an denen die IndienHilfe Deutschland beteiligt ist oder die sie selbst entwickelt hat. 

Der 1. Vorsitzende Jürgen Fluhr und das Gründungsmitglied Clemens Lammerskitten berichten in dem folgenden Interview mit dem Bürger-Echo über die Entwicklung der Indienhilfe Deutschland e.V. 

Die beiden Gesprächsteilnehmer zählen seit Anfang an zu den ehrenamtlich Aktiven der als gemeinnützig anerkannten Hilfsorganisation:

Frage: Warum engagieren Sie sich gerade für Indien?

Jürgen Fluhr: Meine Frau und ich sind im Oktober 2008 nach Indien geflogen, um uns das schöne Land anzuschauen. Dabei haben wir auch den in unserer Region bekannten Pater Franklin Rodrigues besucht, der in Indien verschiedene Hilfsprojekte in Elendsvierteln betreut. Uns hat die Not der Menschen stark beeindruckt. Nachdem meiner Frau bei einer Armenspeisung in Kalkutta ein vier Monate junges Mädchen in den Arm gelegt wurde, war für uns die Entscheidung gefallen, dass wir vor Ort helfen möchten.

Das Ziel ist in erster Linie, mittellosen Kindern eine Perspektive und Zukunft zu geben. Wir haben noch auf dem Rückflug nach Deutschland entschieden, dass wir eine ehrenamtlich tätige Hilfsorganisation gründen möchten, um Pater Franklin Rodrigues in Indien zu unterstützen und haben dann am 18. Dezember 2008 zusammen mit Clemens Lammerskitten die IndienHilfe Wallenhorst e.V. ins Leben gerufen. Drei Jahre später haben wir die Hilfsorganisation auf IndienHilfe Deutschland e.V. umbenannt. So haben wir uns von einer kleinen Organisation, die im ersten Jahr 1.000 Euro gesammelt hat, deutlich weiterentwickelt. Inzwischen wurden wir auch mit dem Spendenzertifikat des Deutschen Spendenrats ausgezeichnet. In diesem Jahr werden wir voraussichtlich mehr als 350.000 Euro für verschiedene Projekte sammeln, mit denen die Arbeit von Pater Franklin unterstützt wird. 

Frage: Was haben Sie bislang erreicht?

Jürgen Fluhr: Sehr viel, Wir haben in Indien zum Beispiel in der Region Bhopal etwa 50 Hektar Land gekauft. Dort wurden mit den Spendengeldern sieben Schulen von der Grundschule bis zum Gymnasium errichtet. Parallel dazu haben wir vier Nähschulen aufgebaut und bilden in Kooperation mit der IHK-Nürnberg junge Menschen als Schweißer und Mechatroniker aus. Nicht zuletzt haben wir eine eigene Krankenschwesterausbildung aufgebaut. Ich könnte noch zahlreiche weitere Projekte nennen...

Frage: Sie sind seit 2008 von Anfang an dabei. Haben Sie an diese Entwicklung der IndienHilfe Deutschland geglaubt?

Clemens Lammerskitten: Schon 2008 waren wir fest davon überzeugt, dass die Hilfe wichtig und notwendig ist. Dass die Hilfsorganisation aber einmal so groß wird, hätte ich seinerzeit nicht gedacht. Diese tolle Entwicklung ist in erster Linie dem vorbildlichen Engagement der Familie Fluhr zu verdanken. Zudem sieht man an dieser Erfolgsgeschichte, dass viele Menschen zur Hilfe bereit sind, wenn die Projekte sinnvoll und seriös sind.

Frage: Wer unterstützt die IndienHilfe Deutschland?

Jürgen Fluhr: Schwerpunktmäßig handelt es sich um Spenden aus Schulen und von Privatleuten. Derzeit gibt es bundesweit zwölf deutsch-indische Schulpartnerschaften. Vor zwei Jahren hat es den ersten Schüleraustausch gegeben, bei der deutsche Schüler ihre Partnerschulen in Indien besucht haben. Mittlerweile haben wir darüber hinaus drei private Großspender. Nicht zuletzt gehören dem Verein aktuell über 350 Mitglieder an, die unsere ehrenamtliche Arbeit regelmäßig unterstützen.

Frage: Gibt es neue Projekte?

Jürgen Fluhr: Natürlich stehen immer die Themen Kinderarmut und Bildung im Fokus. In diesem Jahr ist in Zusammenarbeit mit dem Landtagsabgeordneten Clemens Lammerskitten die UN-Agenda 2030 dazugekommen. Zu Beginn der Corona-Zeit im Frühjahr haben wir eine Sponsoren-Lauf-App mit dem Projektnamen „Health für die Welt“ für Schulen entwickelt. Wir werden nun im nächsten Jahr die erste Deutsche Meisterschaft im Sponsorenlauf der Schulen durchführen und schätzen, dass bundesweit mehr als 50 Schulen teilnehmen werden.

Frage: Was sagen Sie dazu, dass Wallenhorst der Ursprung der Hilfsorganisation ist?

Clemens Lammerskitten: Darauf kann man stolz sein. Ich finde es beeindruckend, dass aus einer kleinen Zelle in Wallenhorst eine so große und leistungsstarke Hilfsorganisation geworden ist, die bundesweit anerkannt ist. Ich freue mich besonders, dass sich die Indien-Hilfe Deutschland auch für die UN-Agenda 2030 engagiert, mit der die Welt nachhaltiger und umweltfreundlicher gemacht werden soll. Damit werden diese wichtigen Ziele aktiv unterstützt und noch bekannter gemacht. Wir brauchen die UN-Agenda 2030 dringend, um allen Menschen weltweit eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.

Frage: Was kann man tun, um die Indienhilfe Deutschland zu unterstützen?

Jürgen Fluhr: Das ist ganz einfach: Spenden und Mitglied werden. Wir freuen uns natürlich über jede Zuwendung, sind dessen ungeachtet aber vor allem an Spendern interessiert, die uns permanent unterstützen möchten. Weitere Informationen gibt auf unserer Internetseite www.indienhilfe-deutschland.de. (H.)


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