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„Mache hier genau das, was ich immer tun wollte“

Landwirt Thomas Nölker ist Vorsitzender des Landvolkverbandes Wallenhorst/Pye. Wer einen Gesprächstermin mit ihm ausmachen möchte, muss sich darauf einstellen, dass Landwirte einen langen und eng getakteten Arbeitstag haben. 

„Eigentlich bin ich bis 19 Uhr im Stall. Am besten ist, Sie holen mich dort ab.“ 

Gesagt – getan: Für das Treffen mit dem Bürger-Echo hat sich der Vorsitzende des Landvolkverbandes Wallenhorst/Pye an diesem Tag extra beeilt. Kurz vor Sonnenuntergang ist er mit der Feldarbeit sowie dem Füttern der Tiere fertig und sitzt dem Berichterstatter nach einem kurzen Hof-Rundgang in der guten Stube gegenüber. Das Gespräch kann beginnen.

„Was wollen Sie wissen? Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich sagen soll.“ Schon wenig später kommt Thomas Nölker im weiteren Verlauf des Treffens zunehmend locker ins Erzählen – über seine Freude an der Landwirtschaft, warum er sich ehrenamtlich für seinen Berufsstand engagiert und nicht zuletzt auch über die Hoffnung, dass eines seiner Kinder einmal den aus dem 13. Jahrhundert stammenden Hof übernehmen wird. 

„Das wäre das Größte. Als Bauer möchte man den Betrieb gern irgendwann an die nächste Generation weitergeben“, betont der Landwirt aus Überzeugung. In Pye zählt er mit seinem 160 Hektar großen Familienbetrieb mit Kühen, Bullen, Kälbern und Schweinen zu den wenigen, die den Strukturwandel in der Landwirtschaft überlebt haben. In seiner Kindheit habe es in Pye vor rund 30 Jahren noch 14 Vollerwerbsbetriebe gegeben. Heute sind davon genau zwei übriggeblieben.

In den vier Wallenhorster Ortsteilen gibt es aktuell etwa 20 Vollerwerbs- und 30 Nebenerwerbsbetriebe. Im Ortsverband Wallenhorst/Pye hat das Landvolk derzeit rund 110 Mitglieder. Als Thomas Nölker vor einigen Jahren gefragt wurde, ob er den Vorsitz übernehmen möchte, habe er erst einmal überlegen müssen. „Mit Blick auf die Familie habe ich zunächst gezögert.“ Als seine Frau grünes Licht gegeben hatte, habe er aber gern zugesagt. „Mein Vater war auch schon Landvolk-Vorsitzender. Bei uns ist es gute Tradition, dass man sich auch für andere einsetzt.“

Die ehrenamtliche Arbeit bereitet Thomas Nölker auch deshalb große Freude, weil er dabei sehr viele unterschiedliche Menschen und Meinungen kennenlernt. „Entscheidend ist natürlich, dass man versucht, auch im Kleinen etwas für die Berufskollegen und den Berufsstand zu erreichen.“ Dazu gehört unter anderem auch, dass man sich bei den Treffen austauscht und etwas zusammen unternimmt. Im Ortsverband Wallenhorst/Pye habe das auch dank des Engagements der Ehrenamtlichen eine gute Tradition.

Als gutes Beispiel für eine gelungene Außendarstellung nennt Thomas Nölker neben den bundesweit stets sehr gut besuchten „Tag des Offenen Hofes“ auch die Betreuung von Besuchergruppen vor Ort. „Hier auf dem Hof kann ich am besten zeigen, wie der Alltag in der Landwirtschaft wirklich ist.“ Gerade mit Schülergruppen gebe es immer wieder sehr schöne Erlebnisse. Die meisten Kinder und Jugendlichen finden es toll, wenn sie die Tiere und die Arbeit auf dem Hof einmal aus nächster Nähe erleben können. 

Dass er sich nach dem Abschluss seiner Ausbildung für die Übernahme des elterlichen Hofes und gegen eine gut bezahlte Festanstellung als Bankkaufmann entschieden hat, bereut Thomas Nölker nicht. „Ich mache hier genau das, was ich immer tun wollte“, betont er mit einem Lächeln: „Wer kann das sonst von seinem Beruf sagen?“  (H.)

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