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Lecker und gesund: Honig aus dem heimischen Garten

Die Imkervereine Wallenhorst sowie Osnabrück und Umgebung von 1862: Im Einklang mit Natur und Umwelt – Bienen sind fast immer friedlich – Ohne die Königin geht nichts 

„Sie müssen jetzt keine Angst haben. Wenn Sie sich ruhig verhalten, werden Sie nicht gestochen.“ Kurze Zeit später ist klar, dass Siegfried Flegel seine Bienenvölker bestens kennt. Bei einem kurzen Blick in einen seiner Bienenkästen passiert nichts Unangenehmes. Im Gegenteil: Inmitten hunderter summender Arbeiterinnen zeigt sich gut sichtbar die Königin des Bienenvolks. „Ist die nicht prächtig“, fragt der Lechtinger Imker mit sichtlichem Stolz. „Stimmt absolut“, ist die spontane Antwort des Besuchers vom Bürger-Echo, der an diesem sonnigen Nachmittag viel Wissenswertes über die Imkerei lernt.

Für das ebenso interessante wie angenehme Gespräch sind mit Ernst Liening-Ewert und Dr. Ansgar Erpenbeck auch die 1. Vorsitzenden des gut ein Dutzend Mitglieder zählenden Imkervereins Wallenhorst sowie des deutlich größeren Imkervereins Osnabrück und Umgebung von 1862 e.V. an die Wessels Straße nach Lechtingen gekommen. Die beiden Nachbarvereine arbeiten seit langem eng und vertrauensvoll zusammen, sind sich die Vorsitzenden einig: „Wir unterstützen uns gegenseitig und haben das gemeinsame Ziel, möglichst viele Menschen für die Imkerei zu begeistern.“ 

Genau das gelingt gerade in den letzten Jahren zunehmend gut. Die Teilnehmerzahl an den regelmäßigen Imkerlichen Grundschulungen hat sich in jüngster Zeit nahezu verdoppelt. Auch die Altersstruktur der Aktiven habe sich erfreulich verändert. Heute sind die 40- bis 60-Jährigen die stärkste Gruppe, die ernsthaft mit der Imkerei anfängt. Zudem wird die Imkerei mit einem Frauenanteil von inzwischen etwa 40 Prozent zunehmend weiblich, berichtet Dr. Ansgar Erpenbeck. Das handwerkliche Rüstzeug kann man bei Imkerlichen Grundschulungen gewinnen, die auch im Lechtinger Waldhof angeboten werden.

„Die Imkerei ist ein wunderschönes Hobby, bei dem man zugleich Entspannung findet und die Natur genießen kann. „Wer einmal Feuer gefangen hat, bleibt meistens für immer dabei“, berichtet Siegfried Flegel aus eigener Erfahrung. Ein riesiges Anwesen brauche man nicht. Um einige eigene Bienenvölker halten zu können, reiche schon ein kleinerer Garten aus. Abgesehen von einem gelegentlichen leisen Summen bekomme die Nachbarschaft kaum etwas von den Bienen mit. 

Anders als Mücken oder Wespen machen sich Bienen nicht als lästige Störenfriede bemerkbar. „Das Gegenteil trifft zu“, ist Ernst Liening-Ewert überzeugt: „Die meisten Menschen freuen sich, wenn Bienen in ihrem Garten auf der Suche nach Blütennektar sind.“ Entsprechend groß sei die Nachfrage nach speziellen Samenmischungen für Pflanzen, die von Bienen besonders geschätzt werden. 

Tatsächlich ist es an diesem Nachmittag ein richtig schöner Anblick, wenn die Bienen im Garten von Züchter Siegfried Flegel immer wieder aufs Neue zwischen den Pflanzenblüten und ihren Stöcken umherfliegen. „Die sammeln jetzt den Nektar, den das Bienenvolk als Nahrung für die nächsten Wochen und Monate braucht.“ Den so erzeugten Honig kann der Imker zwei bis drei Mal im Jahr ernten. Pro Bienenvolk kommen pro Jahr im Durchschnitt 15 bis 20 Kilogramm des süßen und gesunden Naturnahrungsmittels zusammen. 

Für die Ernte muss der Honig mit geübter Hand mittels einer speziellen Schleuder aus den von den Bienenarbeiterinnen geschaffenen Waben gelöst werden. Dass der Honig aus der zweiten Ernte im Spätsommer oft dunkler als der Frühjahrshonig ist, liegt an den dann zusammen mit dem Nektar in die Waben gebrachten Blattrückständen. Für die Qualität und den Geschmack spielt der Farbunterschied keine Rolle. 

Mit dem Rückgang der Temperaturen und dem nahenden Ende der Blühzeit wird bald auch die Aktivität der Bienen nachlassen. Ein Großteil der pro Bienenvolk rund 30.000 Exemplare überlebt den Winter nicht und ist eine willkommene Nahrung für Vögel und kleine Tiere. Der kleinere Anteil der verbleibenden Bienen sichert in erster Linie das Überleben der Königin, die im nächsten Frühjahr für die Produktion der später von den männlichen Drohnen befruchteten Eier sorgt – und somit den Aufbau eines neuen Bienenvolks ermöglicht. 

Nach den zahlreichen Informationen summt es nicht nur im Garten von Siegfried Flegel, sondern auch im Kopf des Berichterstatters. Schnell wird deutlich, dass es bei der Imkerei mit der Anschaffung einer rund 1.000 Euro teuren Erstausstattung bei weitem nicht getan ist. „Man muss sich schon damit beschäftigen“, sind sich die drei erfahrenen Imker einig. Selbst sie können immer noch etwas Neues dazu lernen. Dazu gehört auch, wie man den von den eigenen Bienenvölkern erzeugten Honig vor gierigen Räubern schützen kann. Dazu zählen neben Wespen, mit denen die Bienen selbst gut zu Recht kommen, zunehmend auch Waschbären. „Die sind inzwischen ein echtes Problem“, berichten die Imker. Die Freude an ihrem Hobby können aber auch die geschickten Honigdiebe nicht trüben: „Als Imker ist man eng mit der Umwelt und Natur verbunden. Wir freuen uns auf jeden Tag mit den Bienen.“ 

Der 1. Vorsitzende Ernst Liening-Ewert ist Ansprechpartner des 1952 gegründeten Imkervereins Wallenhorst. Interessenten können ihn unter Telefon 05407/9532 anrufen. Dem Imkerverein Osnabrück und Umgebung von 1862 e.V. gehören auch viele Imker aus der Gemeinde Wallenhorst an. Der 1. Vorsitzende Dr. Ansgar Erpenbeck ist telefonisch unter der Nummer 0541/9619550 erreichbar. Die Imkerliche Grundschulung fällt derzeit Corona-bedingt aus. Wer auch in dieser Zeit etwas lernen möchte, kann im Internet unter den folgenden Adressen mehr erfahren: www.imker.ag sowie www.die-honigmacher.de. (H.)

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