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„Wenn der einen so anschaut...“

Der Teckelklub Ruller-Land: Dackel sind zugleich hervorragende Jagd- und Familienhunde – Besitzer müssen genug Zeit und Zuwendung aufbringen –

„Das Sofa ist tabu“

Dass ein Dackel zugleich ein guter Kamerad und ein echter Herzensbrecher sein kann, erlebt Matthias Berstermann seit vielen Jahren jeden Tag aufs Neue. 

Der 1. Vorsitzende des knapp 80 Mitglieder starken Teckelklubs Ruller-Land e.V. züchtet die charakterstarken Tiere seit rund 45 Jahren. Von den einmaligen Eigenschaften der Hunde ist er auch heute noch genau so begeistert wie am ersten Tag. Dazu trägt neben der sprichwörtlichen Treue eines Dackels natürlich auch der ganz spezielle Blick bei: „Wer einmal einen Teckel hatte, will danach keinen anderen Hund mehr. Wenn der einen so anschaut...“

Doch Vorsicht, betont die Vereins-Schriftführerin Brigitte Tute: „Ein Dackel hat seinen eigenen Kopf. Ohne klare Ansagen macht der, was er will.“ Der seit jeher vor allem für die Jagd gezüchtete Hund müsse beim Einsatz im Fuchs- oder Kaninchenbau allein zurecht kommen und dabei eigene Entscheidungen treffen. Ohne eine konsequente Erziehung übernehme der Dackel dieses Verhalten auch im Alltag zu Hause. „Dann bestimmt letztlich der Hund, was gemacht wird.“ Wie gut der Hund erzogen ist, hänge von seinem Besitzer ab, betont Brigitte Tute, die ihre Liebe zu den Tieren von ihrem Mann übernommen und seitdem „ein ganz großes Herz für Dackel hat.“ Das bedeutet aber nicht, dass sie ihrem Hund alles erlaubt. „Der darf auf seinen festen Platz ins Haus. Das Sofa ist für ihn aber tabu.“

Zur richtigen Dackel-Erziehung gehört vor allem Gehorsam. „Wenn ich den Hund rufe, muss er kommen“, erklärt Matthias Berstermann. Wie das funktioniert, kann man an diesem sonnigen Sommerabend auf dem großen Freilaufareal in seinem Garten am Ruller Falkenring erleben. Seine prächtige Zuchthündin Anka läuft nach einem entsprechenden Kommando – fast – sofort zu ihrem Besitzer und lässt sich zufrieden das Fell kraulen. Kurze Zeit später folgen ihre gerade fünf Wochen alten Welpen und kuscheln sich entspannt im Arm von Matthias Berstermann: „Sind das nicht tolle Hunde...?“

Ja, sind sie. Der Autor dieses Textes hätte am liebsten eines der gerade handtellergroßen Wollknäuel mitgenommen. „Geht nicht. Die sind noch zu jung“, sagt der Züchter. Die Welpen müssen noch einige Wochen bei ihrer Mutter bleiben, weil sie erst dann allein zurecht kommen können. Zudem sind die sechs Jungtiere eigentlich schon alle fest für einen guten Kaufpreis vergeben.      

Ein gut gepflegter Dackel aus anerkannter Zucht kann durchaus 16 bis 18 Jahre alt werden. Bei der Haltung komme es neben der Erziehung vor allem darauf an, dass man genügend Zeit für den Hund hat. Matthias Berstermann verbringt täglich mindestens drei Stunden für Pflege, Fütterung sowie Reinigungsarbeiten. „Morgens und abends kurz Gassi gehen reicht nicht aus. Der Hund braucht auch Zuwendung.“ Wichtig sei zudem, dass der Hund genug Auslauf bekommt und genügend Platz bei seinem Besitzer hat. Bei Matthias Berstermann können sich die Hundemutter Anka und ihre Jungen auf mehr als 200 Quadratmetern frei bewegen oder ein Schläfchen in der vor Wind und Wetter geschützten Hütte halten. Ob man diese Mindeststandards für die Haltung bieten kann, sollte man sich vor der Anschaffung genau überlegen. 

Tipps für den richtigen Umgang können frisch gebackene Hundehalter bei einem Sachkundenachweis bekommen, den der Verein für Besitzer aller Hunderassen anbietet. Bei dem vom Gesetzgeber seit dem 1. Juli 2013 vorgeschriebenen Hundeführerschein für Ersthundebesitzer zeige sich schnell, ob der Halter ein gutes Händchen für sein Tier hat und sich genügend Zeit nimmt. „Wie intelligent der Hund ist, hängt in erster Linie von seinem Besitzer ab“, betont Matthias Berstermann. Entsprechend unterschiedlich sei die Kursdauer, die bis zur Erteilung des Eignungsscheins erforderlich ist: „Einige haben schon nach einer Übungsstunde bestanden. Andere müssen zehn Mal oder noch öfter wiederkommen.“

Beim Teckelklub Ruller-Land steht die jagdliche Förderung der Hunde im Vordergrund. Denn das ist das, was Dackel von Natur aus richtig gut können. Die auch als Dachshunde bekannten Teckel sind schon seit dem Mittelalter für ihre Ausdauer und ihren Mut bei der Jagd bekannt. Typisches Merkmal eines Rau-, Glatt- oder Langhaardackels sind vor allem seine langgezogene Körperform und die kurzen kräftigen Beine, die dem Hund bei der Jagd von Füchsen oder Kaninchen unter der Erde zu Gute kommen.

Heute zählen Teckel nach Angaben des Deutschen Jagdverbands zu den vielseitigsten Jagdgebrauchshunderassen. Die Hunde erbringen beim Stöbern über der Erde und im Bau sowie auf der Schweißfährte ausgezeichnete Leistungen. Der Erhalt und die Förderung des ursprünglichen Wesens sowie der jagdlichen Anlagen ist das Hauptziel des Deutschen Teckelklubs von 1888, dem auch der Teckelklub Ruller-Land angehört. Der Dachverband hat derzeit rund 20.000 Mitglieder. Seine Mitgliedsvereine bieten neben Begleithundeprüfungen unter anderem auch jagdliche Prüfungen und Zuchtschauen an. 

Nicht zuletzt sind die in drei unterschiedlichen Größen und Haararten gezüchteten Dackel sehr beliebte Familienhunde. „Sie können total lieb sein und kommen auch sehr gut mit Kindern zurecht“, betont Matthias Berstermann. Zudem sind Dackel hervorragende Wachhunde: „Die wissen genau, wer nicht ins Haus gehört und machen sich im Zweifelsfall lautstark bemerkbar.“    

Weitere Auskünfte über den Teckelklub Ruller-Land gibt es bei Matthias Berstermann und Brigitte Tute telefonisch unter 0171/4266579 bzw. 0159/06169472. Informationen per Internet kann man unter der Adresse www.teckelklub-ruller-land.de bekommen. (H.)

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