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Über 100 Jahre für Gleichberechtigung und Gerechtigkeit

Starke Gemeinschaft mit vielen fürs Gemeinwohl engagierten Mitgliedern: „Wir sind nicht so radikal und lautstark wie Alice Schwarzer, haben aber viele ähnliche Ziele“

„Wir sind eine starke Gemeinschaft, die sich für die Belange von Frauen einsetzt.“ Bei der Frage, warum sie sich seit mehr als 18 Jahren für den Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) engagiert, muss die Wallenhorster Vorsitzende Sigrid Egbers nicht lange überlegen: „Es macht mir große Freude, mich zusammen mit anderen angenehmen Menschen für eine so sinnvolle Sache wie die Emanzipation einzusetzen.“ 

In Wallenhorst hat der Einsatz für mehr Gleichberechtigung und Gerechtigkeit eine lange Tradition. Der im Jahr 1918 gegründete Katholische Deutsche Frauenbund in St. Alexander hat hier vor zwei Jahren sein 100-jähriges Jubiläum gefeiert. Wie in vielen anderen Orten haben hier schon Generationen von Frauen für bessere Rechte gekämpft und zugleich viel für das gesellschaftliche Leben und das Gemeinwohl vor Ort getan. 

„Wir haben zusammen mit anderen Mitstreitern aus allen Teilen der Gesellschaft eine Menge erreicht, sind aber noch lange nicht am Ziel“, betont Sigrid Egbers. So sei es noch keine 50 Jahre her, dass Frauen etwa für den Erwerb des Führerscheins oder das Antreten eines Arbeitsplatzes die Erlaubnis des Ehemannes brauchten. „All das ist heute völlig undenkbar, war vor gar nicht so langer Zeit aber noch der normale Alltag.“ Dass sich für die Rechte von Frauen und Männern in Deutschland inzwischen weitgehend angeglichen hat, sei noch kein Grund, die Arbeit für die Gleichberechtigung einzustellen. „Es gibt nach wie vor viele Lebensbereiche, in denen Frauen benachteiligt werden.“ 

Sigrid Egbers verweist spontan auf die vielerorts schlechtere Bezahlung von Frauen im Arbeitsleben sowie die geltenden Rentenregeln, als dessen Folge viele Frauen im Rentenalter nicht die Zahlungen bekommen, die ihnen bei einer angemessenen Würdigung ihrer Lebensleistung für die Familie und die Kindererziehung eigentlich zustehen würden. „Dies ist einer von vielen Bereichen, in denen es für uns noch viel zu tun gibt“.

Dass sich der Katholische Deutsche Frauenbund auch in Zukunft zusammen mit anderen Frauenverbänden für die Stärkung der Frauenrechte einsetzen wird, zeigt auch das aktuelle Jahresmotto „Nur wer sich bewegt, kann andere bewegen!“ Der KDFB trete dabei sicher nicht so radikal und lautstark wie etwa die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer auf, betont Sigrid Egbers: „Wir setzen uns aber für viele ähnliche Ziele ein und erreichen damit breite Schichten der Bevölkerung.“ 

Ein entscheidender Antrieb für ihr Engagement ist für die Wallenhorster KDFB-Vorsitzende der christliche Glaube. Die in dem Katholischen Deutschen Frauenbund gelebten christlichen Werte wie Nächstenliebe, Mitgefühl und Respekt seien in der heutigen Zeit wichtiger denn je. „Der Glaube und das Leben in der christlichen Gemeinschaft gibt vielen Menschen festen Halt, Sicherheit und Orientierung.“ Eine sehr sinnvolle Sache ist für Sigrid Egbers auch die Initiative „Maria 2.O“, die für sich eine bessere Stellung der Frauen innerhalb der katholischen Kirche einsetzt. Hier sei insbesondere der Einsatz für die Diakoninnenarbeit in den Kirchengemeinden sehr zu begrüßen. 

Wie wichtig der Einsatz für entsprechende Werte vielen Frauen ist, zeigen auch der große Zuspruch und die zahlreichen Aktivitäten. Der Katholische Deutsche Frauenbund zählt in Wallenhorst aktuell 156 und im benachbarten Hollage 120 Mitglieder, berichtet Sigrid Egbers, die den Verband als kommissarische Diözesanvorsitzende derzeit auch auf höherer Ebene vertritt. Abgesehen von dem Engagement für die Gleichberechtigung setze sich der KDFB in Wallenhorst auch vor Ort mit vielen anderen Aktionen für die Gemeinschaft  und die christlichen Grundwerte ein. Ein gutes Beispiel sei die Unterstützung der Initiative „Frauen in die Kommunalpolitik“ gewesen.  Diese Aktion sei auch für sie persönlich ein Herzensanliegen, betont Sigrid Egbers: „In den meisten Stadt- und Gemeinderäten sind die Männer nach wie vor deutlich in der Überzahl. Das lässt sich nur ändern, wenn mehr Frauen bereit sind, sich aktiv in die Kommunalpolitik einzubringen.“    

Ein Gewinn an Lebensqualität sind für die Vorsitzende auch die „ganz normalen“ Gruppentreffen- und Aktivitäten wie etwa die monatlichen Vorstandssitzungen: „Wir unternehmen viel zusammen und haben auch eine Menge Spaß.“ Zwar können viele der sonst üblichen Aktivitäten wie etwa die Teilnahme an den örtlichen Pfarrfesten in diesem Jahr wegen Corona voraussichtlich nicht stattfinden. Die für knapp vier Monate unterbrochene Vorstandsarbeit soll aber am 9. Juli mit einem ersten Treffen im kleinen Kreis wieder aufgenommen werden – natürlich unter Einhaltung der geltenden Abstands- und Hygieneregeln, versichert Sigrid Egbers: „Darauf freue ich mich schon sehr.“

Eine aktuelle Wallenhorster Erfolgsgeschichte ist auch in Zeiten von Corona die Aktion Soli-Brot, die der Katholische Deutsche Frauenbund zusammen mit den hiesigen Bäckereien Berelsmann und Strößner ins Leben gerufen hat. Mit dem Erlös wird eine Misereor-Initiative unterstützt, die Frauen und Mädchen in Kenia vor dem Abgleiten in die Zwangsarbeit und die Zwangsprostitution schützt. Diese Aktion wird gerade in der Gemeinde Wallenhorst von vielen Menschen sehr gern unterstützt. Viele entscheiden sich beim Bäcker gezielt für das übrigens sehr leckere Soli-Brot. So ist inzwischen eine schöne Summe zusammengekommen. 

Für eine Mitarbeit im Katholischen Deutschen Frauenbund ist übrigens keine Mitgliedschaft in der katholischen Kirche erforderlich. „Entscheidend ist das Bekenntnis zu den christlichen Werten“, erklärt Sigrid Egbers: „Wir verstehen uns als ökumenische Gemeinschaft, die sich aus christlicher Überzeugung für andere Menschen einsetzt“. 

Wer sich für die Arbeit des Katholischen Deutschen Frauenbundes in Wallenhorst interessiert, kann Sigrid Egbers unter Telefon 05407/2900 ansprechen. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.frauenbund.de. (H.)  

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