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„Es geht endlich wieder los“

Einer der ältesten und traditionsreichsten Vereine der Region –

Im Mittelpunkt steht der faire sportliche Wettkampf

Fast drei Monate war der Schießstand des Schützenvereins Rulle verwaist. Seit dem jüngsten Donnerstagabend ist der vom Gesetzgeber verordnete Corona-Lockdown vorbei. „Wir können endlich wieder trainieren“, freut sich der Vorsitzende Bastian Oertel. Für das Bürger-Echo ist die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs der Anlass, seine Serie über die ehrenamtliche Arbeit in den Wallenhorster Vereinen und Verbänden wieder aufzunehmen. 

„Natürlich sind wir glücklich, dass wir uns wieder treffen und miteinander aktiv sein dürfen“, berichtet Bastian Oertel bei einem Treffen mit dem Bürger-Echo einen Tag vor dem ersten Trainingsabend nach der Zwangspause. Gleich am Eingang des Schützenhauses am Ruller Ostenort 11a stehen Desinfektionsmittel bereit und an mehreren Stellen weisen große Hinweisschilder auf die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln hin. Von den acht Schießplätzen dürfen derzeit nur die Hälfte genutzt werden, damit genug Abstand sichergestellt ist. Ein Mindestabstand von zwei Metern gilt auch für die Tische und Stühle im Vorraum, die den Schützen für die Wartezeit bereit stehen. 

„So wie sonst gewohnt, ist es noch nicht“, erklärt der Vereinsvorsitzende. So dürfen derzeit zum Beispiel noch keine Getränke bereitgestellt werden. „Die Sicherheit hat absoluten Vorrang“, betont Bastian Oertel: „Wir sind froh, dass überhaupt wieder Vereinsarbeit möglich ist und wir uns hier treffen können.“ Besonders erfreulich sei, dass der Schützenverein zu den ersten der Region zählt, die den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen. „Darauf haben wir alle lange gewartet.“

Der aktuell knapp 140 Mitglieder starke Schützenverein Rulle wurde bereits im Jahr 1899 gegründet, und zählt damit zu den ältesten und traditionsreichsten Vereinen der Region. Einzigartig ist der Einsatz eines mobilen Vogelbaums bei der Ermittlung des neuen Schützenkönigs. Damit wird auch stets der Kreiskönig ermittelt. „Um dafür in Frage zu kommen, muss man schon sehr treffsicher sein“, erklärt Bastian Oertel. König könne nur werden, wer den Vogel in mehreren Metern Höhe ganz genau mit einem Schuss aus dem Kleinkalibergewehr trifft. In diesem Jahr werde das leider nicht möglich sein, weil die Schützenfeste allerorten wegen Corona abgesagt werden mussten. 

„Das ist eigentlich das Highlight des Jahres und trifft uns vor allem wirtschaftlich hart, weil das Schützenfest zu unseren wichtigsten Einnahmequellen zählt.“ Bastian Oertel hofft, dass 2020 zumindest der traditionelle Adventsbasar stattfinden kann und sich die Gemeinde Wallenhorst großzügig gegenüber den wegen Corona leidgeprüften Vereinen zeigt. Der übliche Jahreszuschuss von 1.000,- Euro sei eine Hilfe, reiche aber in dem aktuellen Krisenjahr nicht aus. Der Schützenverein Rulle habe es „nach mehreren schlaflosen Nächten unseres Schatzmeisters“ zwar geschafft, alle laufenden Verbindlichkeiten zu bezahlen. „Wir könnten eine zusätzliche Unterstützung aber gerade jetzt sehr gut gebrauchen.“

Um die Zukunft seines Vereins macht sich der Vorsitzende dessen ungeachtet keine Sorgen. „Wir haben viele begeisterte und treue Mitglieder. Bei uns machen Menschen von vier bis 90 Jahren mit.“ Natürlich sind stets auch neue Interessenten mit Freude am Schießsport willkommen. Gerade für Kinder und Jugendliche könne der verantwortungsvolle Umgang mit dem Gewehr eine wichtige und wertvolle Erfahrung sein. „Beim Schießen merkt man über den Rückschlag der Waffe, dass das Ganze kein (Baller-)Spiel am Computer ist.“ 

Beim Schützenverein Rulle wird an den Trainingsabenden ausschließlich mit dem Luftgewehr oder der Luftpistole geschossen. Zur Betreuung der Nachwuchsschützen stehen zuverlässige erfahrene Betreuer bereit. Im Mittelpunkt stehe stets der faire sportliche Wettkampf: „Wir legen sehr großen Wert auf Vernunft und Vorsicht. Für Spinner ist bei uns kein Platz.“  

Bei der Frage, warum er sich für den Schießsport und den Schützenverein Rulle engagiert, muss Bastian Oertel nicht lange überlegen: „Die Freude am Schießsport und der Geselligkeit liegt bei uns in der Familie. Mein Großvater und mein Vater waren hier schon Fahnenträger. Diese gute Tradition habe ich gern fortgesetzt.“ Dass er seit gut fünf Jahren auch Vorsitzender des Schützenvereins ist, macht Bastian Oertel besonders stolz: „Das ist natürlich eine große Verantwortung, die mit viel ehrenamtlicher Arbeit verbunden ist. Das Ganze ist aber zugleich auch eine wunderschöne Aufgabe, die mir viel Freude bereitet.“  (H.)

Weitere Infos über den Verein auf www.sv-rulle.de                                                        

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