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Vom maroden Abriss-Gebäude zum Schmuckstück

Lechtinger Mühlenverein engagiert sich seit fast 40 Jahren für Holländermühle von 1886 – Positive Entwicklung geht weiter –

Derzeit wird die alte Motormühle im Nachbargebäude renoviert

Die Lechtinger Mühle zählt heute zu den weithin sichtbaren Wahrzeichen der Gemeinde Wallenhorst. Die durch Windkraft angetriebenen, munter rotierenden Flügel sind mit ihren weißen Segeln längst nicht nur an den jährlichen Mühlentagen ein beeindruckender Anblick. Dank der ehrenamtlichen Arbeit des Mühlenvereins Lechtingen sieht die Holländermühle wohl wieder ähnlich gut aus wie bei ihrer Fertigstellung im Jahr 1886. Dass sie auch tadellos funktioniert, zeigt die mehr als 130 Jahre alte Mühle unter anderem auch regelmäßig an den Produktionstagen, an denen das Getreide wie zu alten Zeiten gemahlen wird. 

Dass ausschließlich Bio-Erzeugnisse in der Mühle verarbeitet werden, war für den Mühlenverein Lechtingen von Anfang an eine Selbstverständlichkeit: „Das Korn kommt von nachhaltig wirtschaftenden Betrieben aus der Region“, erklärt Ansgar Vennemann, der einer der Vereinsvorsitzenden ist. Das frisch gemahlene Getreide fürs Brot- oder Kuchenbacken kann man in der Lechtinger Windmühle immer samstags direkt aus dem Sack kaufen. „Hier können Interessenten direkt miterleben, wie das vom Feld geerntete Öko-Getreide verarbeitet wird“, berichtet Ansgar Vennemann: „Das ist 100 Prozent Bio. Mehr geht eigentlich nicht.“

Der 1982 von gut einem halben Dutzend Aktiven gegründete Mühlenverein Lechtingen hat inzwischen mehr als 160 Mitglieder. Sie alle helfen mit, dass nicht nur die Holländer-Windmühle wieder richtig gut da steht und funktioniert. Auch die in dem Gebäude nebenan stehende Motormühle wird nach vielen Jahren Stillstand vermutlich schon bald wieder voll betriebsbereit sein. Derzeit sind fleißige Handwerker dabei, den alten 12-Zylinder-Dieselantrieb wieder in Gang zu bringen und das Gebäude mit viel Liebe zum historischen Detail wieder herzurichten. Möglich ist das auch dank Fördergelder in sechsstelliger Höhe, die unter anderem vom Landesamt für regionale Entwicklung, den Sparkassenstiftungen Osnabrück-Land und des Landes Niedersachsen sowie von der Gemeinde Wallenhorst beigesteuert worden sind. Nicht zuletzt hat sich auch der Mühlenverein selbst mit einem fünfstelligen Spenden-Betrag an den Renovierungskosten beteiligt.

„Man kann schon jetzt sehen, dass sich der Aufwand richtig gelohnt hat“, freut sich Ansgar Vennemann. Die renovierte Motormühle passe sehr gut in das gesamte Ensemble und sei neben der Holländermühle eine weitere herausragende Attraktivität für die Gemeinde. Die offizielle Freigabe der in Stand gesetzten Motormühle soll beim nächsten Mühlentag erfolgen, der traditionell – 2020 schon zum 33. Mal – am Pfingstmontag stattfindet. Wie die Mühle arbeitet, kann man künftig auch an den Mahltagen erleben, an denen man ab April stets samstags von 10 bis 12 Uhr gemahlenes Getreide und andere Bio-Produkte in der Windmühle kaufen kann. Die Motormühle wird nach dem Pfingstfest zusätzlich jeden ersten Sonntag von 15 bis 17 Uhr geöffnet sein.   

Ansgar Vennemann ist neben vielen anderen ehrenamtlich engagierten Mühlenfreunden entscheidend an der Erfolgsgeschichte des historischen Bauwerks beteiligt. Beim Mühlentag 2020 wird er fast 40 Jahre als Vorsitzender des Mühlenvereins Lechtingen aktiv sein. „Als ich damals als 19-Jähriger bei der Vereinsgründung dabei war, wollten wir einfach nur ein Stück Heimat vor dem endgültigen Verfall retten.“ Wie gut das gelungen ist, kann man schon von weitem erkennen. Ganz besonders freut sich der Mühlen-Fan, dass die Lechtinger Windmühle heute überall als Gewinn für das Ansehen des Orts geschätzt wird: „Das war zu Beginn unserer Arbeit noch ganz anders. Damals hätten viele aus der Gemeinde das marode Gebäude am liebsten abgerissen.“

Auf diesen Gedanken würde knapp 40 Jahre später wohl niemand mehr kommen. Die Lechtinger Mühle ist seit langem ein Schmuckstück, dessen Erfolgsgeschichte noch lange nicht zu Ende ist. „Die Entwicklung geht kontinuierlich weiter“, berichtet Ansgar Vennemann: „Bei uns gibt es immer etwas zu tun.“ (H.)    

Weitere Infos: www.windmuehle-lechtingen.de

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